Ohne Stress im Centre Var

Für ein/zwei Wochen weg aus dem Alltagstrott, morgens mal ausschlafen, genussvoll die frisch vom Bäcker geholten Baguettes mit etwas zu viel Butter und noch mehr Marmelade garnieren, einen Blick aus dem Fenster der Ferienwohnung auf das zumeist sonnige Wetter (ca. 300 Sonnentage im Jahr) werfen, unangestrengte Tagesplanung – so haben wir uns unseren Urlaub ausgemalt. In Taradeau im Mittleren Var haben wir  die passende Umgebung gefunden, ein mit viel Liebe zum Detail eingerichtetes Ferienhaus von 45 qm auf Privatgrundstück mit Pool, mehreren Terrassen und den Vermietern Françoise und Jochen in Reichweite – nicht zu weit von der quirligen, wenn auch atemberaubend schönen Côte d’Azur, aber auch nahe den pittoresken Dörfern an den Hängen der Hochprovence.
Lac de Saint CroixBis zum Meer ganze 35 Kilometer, bis zu den Schluchten des Verdon nur 60 bis 70. Schattige Dorfplätze mit ihren Cafés, endlose Felder der inzwischen europaweit bekannten AOC-Weine Côtes de Provence und ihre „Chateaux“, wo man sich gern zu einer ausgiebigen Weinverkostung verleiten lässt, Restaurants aller Kategorien und zahllose, bis ins einzelne geplante Wanderwege über Berg und Tal – es fehlt an nichts.Die Vermieter, ein deutsch-französisches Ehepaar (wie schön bei Sprachproblemen) helfen auf Wunsch bei der Tagesplanung; nicht unwillkommen bei der Vielzahl der Möglichkeiten. Welches Ziel bei welchem Wetter? Wann und wo findet einer dieser provenzalischen Märkte statt, immer mitten im Dorf, die wir um keinen Preis verpassen möchten? Wo einkaufen oder wo essen, wenn man sich trotz komplett eingerichteter Küche doch lieber mal im Restaurant verwöhnen lassen möchte?In den örtlichen Offices de Tourisme finden wir darüber hinaus Prospekte, Karten und Tourenvorschläge ohne Zahl und selbst solche zu weiter entfernten Zielen wie Aix-en-Provence oder Nice finden sich im kleinsten Dorf. Heute eine Wanderung mit dem ortsansässigen Verein, morgen ein Kunsthandwerks- oder Antiquitätenmarkt, am Wochenende ein Weinfest, eine Bilderausstellung……….Wir müssen uns gelegentlich in Erinnerung rufen, dass wir nicht zuletzt hierher gekommen sind, um ein wenig „die Seele baumeln zu lassen“. Gorges du verdonAlso ein Griff zu den Wanderstöcken und hinauf auf den Bergrücken 200 m oberhalb des Orts mit seinem Oppidum (einem seit einigen Jahren ausgegrabenen kelto-ligurischen Festungsdorf) und seiner Aussichtsplattform am Gipfelkreuz. Ein weiter Blick vom Roquebrune über das Massif des Maures bis zum Gros Bessillon ist der Lohn des Aufstiegs und das anschließende Picknick mit mittäglicher Ruhepause im Schatten einiger Aleppokiefern und Grüneichen bringt die Dinge wieder ins rechte Lot.Gorges du verdon
Der nächste Tag lockt uns ans Meer.
Südwind, Schirokko; also hohe Wellen, aber keine Gefahr, abzutreiben. Saint Aygulf mit seinen Buchten, aber auch mit einem großen Sandstrand liegt uns am nächsten. Mittagspause in einem der zahlreichen Strandrestaurants, dann wieder zurück zu den Badefreuden. Abends Schlendern an der betriebsamen Strandpromenade im Hafen von Fréjus und St. Raphaël. Noch einmal lassen wir uns verführen durch das fast unüberschaubare Angebot an Restaurants. Fischsuppe, darauf Toastscheiben, mit Knoblauch und Rouille großzügig bestrichen und garniert mit geriebenem Emmentaler – für uns nicht zu umgehen. Eine Mousse au chocolat für sie, eine Crème brulée für ihn als krönenden Abschluss; der Tag ist gerettet.Ein Tag Badepause am Pool, dann ruft Europas tiefste Schlucht, der Grand Canyon du Verdon, wie er hier ganz ohne Bescheidenheit genannt wird. Kurvenreiche Fahrt über Draguignan, durch die Schlucht von Chateaudouble nach Comps. Kleine Pause im Café, dann weiter an Trigance vorbei zur Rive droite, der rechten Schluchtseite. Zum einen, weil man stets an der Bergwand entlang fährt und so auch solche das Vergnügen genießen können, denen die Fahrt am Abgrund entlang Unbehagen bereitet, zum anderen, weil man am point sublime den Atem beraubenden Blick in die Tiefe auf das 600 m tiefer dahin fließende smaragdfarboge Band des Verdon einfach nicht verpassen darf. Zwanzig Kilometer weiter am Ausgang der Schlucht wieder eine traumhafte Aussicht, dieses Mal auf den Stausee Lac de Ste. Croix. Mittagspause in Moustiers-Sainte-Marie, dem Bergdorf der berühmten Fayence, dann Rückfahrt über Aups Richtung Taradeau. Aber nicht ohne vorher in Villecroze Halt gemacht zu haben zum Abendessen bei Martine in ihrem Restaurant La Cascade, die uns einmal mehr wie Freunde begrüßt und bei der selbst ihr Menu de Crise, wie sie ihre Eingangspreislage mal humorig genannt hat, jeden Euro wert ist.Taradeau – wir kommen wieder